Daimler-Benz AG

Schon vor Kriegsbeginn war die Daimler-Benz-AG maßgeblich in die NS-Rüstungswirtschaft eingebunden. Das Unternehmen profitierte von der Aufrüstung und konnte auch dadurch seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden. Ungefähr ab 1941 produzierte der Konzern fast vollständig für die Wehrmacht. Neben dem Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim, besaß Daimler-Benz noch sieben weitere Produktionsstätten im Deutschen Reich. Im Verlauf des Krieges weitete das Unternehmen seine Tätigkeit auch in den angeeigneten und besetzten Gebieten aus.

Mitte 1940 setzte die Daimler-Benz-AG erstmals Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter:innen ein. Etwa ab September 1940 zog das Unternehmen auch ausländische Zivilpersonen zur Arbeit heran. Einige Zivilarbeiter:innen hatten sich aufgrund falscher Versprechungen freiwillig gemeldet, der Großteil war jedoch unter Zwang rekrutiert worden. KZ-Häftlinge arbeiteten seit 1941 in den Daimler-Benz-Werken. Aus Konzentrationslagern wurden Transporte für das Unternehmen zusammengestellt. Vielfach schickte Daimler-Benz auch Vertreter in die Lager, um geeignete Arbeitskräfte auszusuchen.

Anfangs wurde der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte vermutlich als vorläufiges Mittel gesehen, um kurzfristige personelle Engpässe auszugleichen. Als mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 erneut reihenweise Männer zur Wehrmacht eingezogen wurden und zugleich die Rüstungsaufträge anstiegen, herrschte bei Daimler-Benz ein enormer Arbeitskräftemangel bei erhöhtem Produktionsbedarf. Um keinesfalls auf lohnende Rüstungsaufträge verzichten zu müssen und auch im Krieg expandieren zu können, forderte das Unternehmen daher für alle seine Produktionsstätten, in deutschen wie auch besetzten Gebieten, aus eigenem Antrieb und oft mit Nachdruck Zwangsarbeiter:innen an. Im Verlauf des Krieges stieg die Zahl der bei Daimler-Benz eingesetzten Zwangsarbeiter:innen stark an: Auf dem Höhepunkt Ende 1944 waren es in den Werken und Verkaufsstellen im Deutschen Reich durchschnittlich etwa 35 Prozent, in den angeeigneten und besetzten Gebieten sogar über 70 Prozent.         

Daimler-Benz errichtete eigene Lager für die Zwangsarbeiter:innen und war für die Versorgung und Überwachung der zivilen Arbeitskräfte zuständig. Die Bewachung der Kriegs- und KZ-Gefangenen übernahmen größtenteils Wehrmacht und SS. Die Zentrale von Daimler-Benz legte nur allgemeine Grundsätze für die Behandlung der Arbeiter:innen fest, an denen sich die einzelnen Werksleitungen zu orientieren hatten.  Trotz teils unterschiedlicher Handhabung in den Werken, litten die meisten Zwangsarbeiter:innen unter schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen, Demütigungen, Heimweh und der Angst vor Luftangriffen. Die Unterkunfts-, Ernährungs-, Bekleidungs- und Hygienelage war in fast allen Werken katastrophal. Das Verhalten der deutschen Arbeiter:innen und Angestellten gegenüber den Zwangsarbeiter:innen war meist von rassistischen Vorurteilen und Verachtung geprägt. Misshandlungen, vor allem osteuropäischer Arbeiter:innen, waren keine Ausnahme.

Die NS-Führung sah in den Zwangsarbeiter:innen eine Gefahr für die "Volksgemeinschaft": Sie schuf eine rassistische Rangordnung, die auch die Behandlung von Zwangsarbeiter:innen bei Daimler-Benz kennzeichnete. Am Ende dieser Hierarchie standen Menschen aus Polen und der Sowjetunion. Diese galten als "minderwertig". Sie erhielten weniger Lohn, mussten länger arbeiten, wurden schlechter verpflegt und waren in geschlossenen Wohnlagern untergebracht, die sie außerhalb der Arbeitszeit nicht verlassen durften. Verstöße gegen das restriktive Regelwerk für Zwangsarbeiter:innen meldete der Werkschutz an die Gestapo. Auch bei Fragen der Unterbringung und Bewachung arbeitete das Unternehmen eng mit der Gestapo zusammen.

Daimler-Benz profitierte entscheidend vom Einsatz der Zwangsarbeiter:innen, ohne den es kaum möglich gewesen wäre, die Produktion aufrechtzuerhalten oder gar zu steigern und hohe Gewinne zu erzielen. Dennoch zeigten weder die Unternehmens-, noch die meisten Werksleitungen Interesse daran, die Situation der Zwangsarbeiter:innen zu verbessern. Obwohl der Konzern durchaus die Möglichkeit dazu gehabt hätte, zum Beispiel durch bessere Verpflegung oder das Einschreiten gegen Misshandlungen. Die Vergehen deutscher Mitarbeiter:innen gegenüber Zwangsarbeiter:innen reichten von Beschimpfungen über Ohrfeigen bis hin zu Schlägen und sexualisierter Gewalt. Nur wenige Deutsche zeigten Solidarität. Hauptsächlich standen jedoch die Erfordernisse der Produktion im Vordergrund. Für Daimler-Benz ging es um die Ausbeutung der Arbeitskraft. Die Menschen waren dem Konzern gleichgültig.